SPD-Wahlergebnisse seit 1949: Historischer Aufstieg, Rekorde und Absturz

Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 erzielte die SPD nach vorläufigem Endergebnis 16,4 Prozent der Zweitstimmen – und damit ihr schlechtestes Resultat seit Bestehen der Bundesrepublik.
In der Vergangenheit konnte die SPD allerdings auch schon deutlich mehr Stimmen sammeln. Insgesamt sechsmal war sie bei den Bundestagswahlen in Deutschland die stärkste Partei, viermal stellte sie den Bundeskanzler.
Wann war die SPD bei den Bundestagswahlen besonders stark – und wann besonders schwach? Und in welchen Bundesländern hat die Partei ihre Hochburgen? Die Wahlergebnisse im Überblick.
Ihre bislang stärkste Phase durchlief die SPD in den späten 1960er- bis frühen 1980er-Jahren, besonders unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. Willy Brandt war der erste SPD-Kanzler, er war von 1969 bis 1974 im Amt. Bei der Bundestagswahl 1972 gewann die SPD 45,8 Prozent der Zweitstimmen – ein Rekord, den die Partei bis heute nicht brechen konnte. Auch bei den ersten beiden Wahlen während der Amtszeit von Helmut Schmidt waren die Zweitstimmenanteile mit 42,6 Prozent im Jahr 1976 und 42,9 Prozent im Jahr 1980 hoch.
In den vergangenen Jahren konnte die SPD diese Resultate nicht ansatzweise wiederholen. Insbesondere seit den Bundestagswahlen 2009 sind die Zweitstimmenanteile der Partei deutlich gesunken. Damals lag die SPD bei 23 Prozent. Im Jahr 2017 sanken die Stimmenanteile für die SPD erneut – auf 20,5 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 sammelte die SPD nur 16,4 Prozent der Zweitstimmen, so das vorläufige Ergebnis. Für die lange als Volkspartei geltende Sozialdemokratische Partei, die einst fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler hinter sich vereinte, markiert dies einen historischen Tiefpunkt.
Die SPD hat ihre Hochburgen traditionell in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen sowie den Stadtstaaten Hamburg und Bremen. In Bayern und Baden-Württemberg ist sie dagegen eher schwach. Besonders schlecht schneidet die SPD häufig in Sachsen und Thüringen ab.
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ist die älteste politische Partei Deutschlands (1863 gegründet). Ihre Wurzeln hat die Partei in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Historisch setzt sich die SPD für die Rechte der Arbeiterklasse ein.
Heute gilt die SPD als Mitte-Links-Partei. Zentrales Thema für die SPD ist soziale Gerechtigkeit. Sie steht für einen starken und solidarischen Sozialstaat. In ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2025 kündigte die Partei unter anderem an, sich für einen höheren Mindestlohn, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und eine Reform der Schuldenbremse zu engagieren.
Wie es nach der Bundestagswahl 2025 mit der SPD weitergeht, ist bislang unklar. Zunächst müssen die Parteien Koalitionsgespräche führen. Die Spitzen von CDU/CSU und SPD haben sich bereits bei ersten Gesprächen ausgetauscht. Laut SPD-Chef Lars Klingbeil sollen in der SPD allerdings letztendlich die Mitglieder darüber entscheiden, ob die Partei mit der Union eine Regierung bilden soll oder nicht.
Egal ob als Teil der Regierung oder der Opposition – wie sich die SPD im Laufe der nächsten Legislaturperiode behaupten kann, wird maßgeblich sein für den Erfolg der Partei bei den nächsten Wahlen. Unter den Bürgerinnen und Bürgern scheint das Interesse an der SPD zuletzt dramatisch gesunken zu sein. Daten von Google zeigen, dass das Suchinteresse nach der Partei einen Monat vor der Bundestagswahl 2025 um 13 Prozent geringer war, als im vergleichbaren Zeitraum der Bundestagswahl 2021.
Noch ist Olaf Scholz übergangsweise als Bundeskanzler im Amt. Aber auch nach dem Regierungswechsel will er weiterhin als Abgeordneter im Bundestag bleiben. In seinem Wahlkreis in Potsdam und Umgebung hat Scholz erneut das Direktmandat gewonnen. Dieses will er auch wahrnehmen. Sich an Koalitionsverhandlungen zu beteiligen, schließt Scholz allerdings aus. In der Spitzenkandidatenrunde von ARD und ZDF sagte er, er werde nicht als Vertreter der SPD Teil der kommenden Bundesregierung sein „und auch nicht darüber verhandeln“.
Falls die Sondierungsgespräche zwischen der SPD und der Union platzen, käme derzeit nur noch eine Koalition aus Union und AfD auf eine theoretische Mehrheit im Parlament. Eine solche Koalition hat CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz allerdings ausgeschlossen. Sollte keine stabile Koalition zustande kommen, gibt es außer Neuwahlen zwei weitere Optionen. Einerseits besteht die Möglichkeit einer Minderheitsregierung. Dabei stellt eine Partei oder eine kleine Koalition den Kanzler oder die Kanzlerin, aber muss für jedes Gesetz ihre Mehrheiten suchen. Das gab es auf Bundesebene noch nie, in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt dagegen schon. Daneben ist auch ein Tolerierungsmodell möglich. Hierbei regiert eine Partei ohne feste Koalition, aber mit der Unterstützung einzelner Fraktionen, etwa durch Duldung mittels Stimmenenthaltung.
rnd